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Zurück Der winterliche Nordabhang des Paschbergs ( am Palmsonntag 2002 !). Links die unbeholfen ins Gelände geklotzte Straße. Rechts die elegante Spur der Igler in den Wald hinein.

Kürzlich habe ich begonnen Heimito von Doderers "Dämonen" wieder einmal zu lesen (es gibt schon einige Bücher, in denen man immer wieder neues entdeckt). Zu Thema mag dieser Ausschnitt passen - auch wenn der Paschberg mittlerweile bevölkerter ist, als der Wienerwald um 1927....

Auszug aus: H.v.Doderer, Die Dämonen, DTV 1995, Erstausgabe 1956, Kapitel 3 "IM OSTEN"

…... In diesen Jahren, um 1926 und 1927, begann überhaupt die Motorisierung breiter Schichten bereits fühlbar zu werden. Jene Motorisierung hatte sehr bald zur Folge, daß die Großstädte allsonntäglich, bei annehmbarem Wetter, gleichsam eine ringförmige Wolke von Fahrzeugen in die Landschaft ausstießen, welche Ausstoßung ihre gewissen Bahn-Elemente hat (ganz so wie analoge Vorgänge im Kosmos draußen), also auch eine bei solchem Anlasse regelmäßig wiederkehrende Anfangsgeschwindigkeit. Diese trägt gesetzmäßig - infolge des Fahren-Müssens, Vorbei-Müssens, pfnurrende Kolben Hören-Müssens, wobei das Ziel ein reiner Vorwand bleibt - zunächst einmal über eine Strecke hinaus, so daß schließlich ein ringförmiges Band von Leere um eine Großstadt liegt, jenseits dessen sich der Schwarm, dünner werdend, im offenen Lande verteilt.
So kommt es, daß man heute, beispielsweise in großen Teilen des stadtnäheren Wiener-Waldes, einsame Sonntagsspaziergänge machen kann.
Es ist nur notwendig, zurück zu bleiben: so, wie die Wälder immer mehr unbetreten zurückbleiben hinter den von Motoren dicht an ihnen vorbei befahrenen und berasten Straßen. Kein Spaziergänger stört mehr die Waldesnatur; denn jene auf der Straße‚ sie müssen dahin, es reißt sie fort. Die Wälder kehren zu sich selbst zurück, schon wird das Wild vertrauter.
Es besteht die Möglichkeit, dies gelinde Zurückbleiben in verstattetem Maße von den Wäldern zu lernen: ohne Übertreibung und ohne jene sonderliche Betonung, welche zum Sonderling macht. Man bleibe ein wenig hinter dem Fortschritt zurück: man lasse die Hand vom Rundfunkgerät und das Aug' vom Zeitungspapier und von der Leinwand ; und man bleibe am Sonntag jenem Niemandsland um die Stadt, das nur morgens und abends die Lärmwelle der Ausfahrenden oder der Heimkehrenden durchbraust; man bleibe ein wenig hinter dem Fortschritt zurück - und im Nu wird man so einsam sein wie Herr Walter von Stolzing, wenn Haus und Hof ihm eingeschneit waren, beziehungsweise am stillen Herd zur Winterszeit.
Den Fortschritt macht heute nicht Prometheus, der als Einsamer und Einziger das Feuer trug. Der Fortschritt ist ein Tausendfüßler geworden. Er wohnt heute in der Straße der Quantität, und dort auf allen Hausnummern zugleich; deren sind viele; jene Straße ist lang, wenn auch nicht unendlich.
Einsam aber ist der gelinde und diskrete Zurückbleiber hinter dem Fortschritt. Er kann heute weitaus einsamer und abgesonderter sein als je einem mittelalterlichen Schloßherren möglich gewesen.

Und vielleicht ist Prometheus inzwischen schon wieder unvermerkt übersiedelt:
und in einem leeren, stillen Ringe um die große Stadt ergeht sich eine neue und vorgeschrittene Rasse des Geistes, in zunächst noch wenigen Exemplaren, die aber dereinst über uns herrschen wird, und der, durch alle Benzindämpfe unserer Tage hindurch, die Zukunft gehört......

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